Zurück

Rechtsanwalt Pfleger
SPR Rechtsanwälte

Adresse:
Hoppestraße 7
93049 Regensburg
Telefon:
0941 / 46 44 79 70
Fax:
0941 / 46 44 79 79
Fachanwalt:
Verkehrsrecht


Schmerzensgeld bei Skiunfall

Skiunfälle sind in den Wintermonaten an der Tagesordnung. Nicht selten kommt es dabei zu schweren Verletzungen, weil wegen der zum Teil hohen Geschwindigkeiten enorme physikalische Kräfte auf den Körper einwirken. Relevant für Fragen des Schmerzensgeldes sind dabei in der Regel Unfälle zwischen Skifahrern oder von Skifahrern ausgelöste Unfälle.

Grundlage für die Haftung eines Ski-Fahrers für einen Unfall ist in der Regel ein Verstoß gegen die FIS-Regeln. Diese stellen verbindliche Verhaltensregeln auf die auch internationale Geltung haben, also auch im Rahmen eines Schadensersatzverfahrens hier in Deutschland Anwendung finden, egal ob der Unfall in Österreich, der Schweiz, Italien oder Frankreich geschehen ist.

  1. Rücksicht auf die anderen Skifahrer. Jeder Skifahrer muss sich so verhalten, dass er keinen anderen gefährdet oder schädigt.
  2. Beherrschung der Geschwindigkeit und der Fahrweise. Jeder Skifahrer muss auf Sicht fahren. Er muss seine Geschwindigkeit und seine Fahrweise seinem Können und den Gelände-, Schnee- und Witterungsverhältnissen sowie der Verkehrsdichte anpassen.
  3. Wahl der Fahrspur. Der von hinten kommende Skifahrer muss seine Fahrspur so wählen, dass er vor ihm fahrende Skifahrer nicht gefährdet
  4. Überholen. Überholt werden darf von oben oder unten, von rechts oder links, aber immer nur mit einem Abstand, der dem überholten Skifahrer für alle seine Bewegungen genügend Raum lässt.
  5. Einfahren und Anfahren. Jeder Skifahrer, der in eine Skiabfahrt einfahren oder nach einem Halt wieder anfahren will, muss sich nach oben und unten vergewissern, dass er dies ohne Gefahr für sich und andere tun kann.
  6. Anhalten. Jeder Skifahrer muss vermeiden, sich ohne Not an engen oder unübersichtlichen Stellen einer Abfahrt aufzuhalten. Ein gestürzter Skifahrer muss eine solche Stelle so schnell wie möglich freimachen.
  7. Aufstieg und Abfahrt. Ein Skifahrer, der aufsteigt oder zu Fuß absteigt, muss den Rand der Abfahrt benutzen.
  8. Beachten der Zeichen. Jeder Skifahrer muss die Markierung und die Signalisation beachten.
  9. Hilfeleistung. Bei Unfällen ist jeder Skifahrer zur Hilfeleistung verpflichtet.
  10. Ausweispflicht. Jeder Skifahrer – ob Zeuge oder Beteiligter, ob verantwortlich oder nicht – muss im Falle eines Unfalles seine Personalien angeben.

Auf dieser Basis sind Unfälle bzw. das Verhalten der Beteiligten zu beurteilen.

Oft stellen sich dabei jedoch Probleme der Beweisführung im Rahmen der Regulierung eiens Skiunfalls. Dies insbesondere dann, wenn nicht bewiesen werden kann, wie es zu dem Skiunfall kam oder ob dem Schädiger ein schuldhaftes Verhalten vorgeworfen werden kann. Ein weiteres Problemfeld ist der Fall, dass zwei Skifahrer einfach „zusammengerumpelt“ sind, ohne dass geklärt werden kann wer wen angefahren hat oder wer den eigentlich zum Unfall führenden Fehler begangen hat.

Ein Sachverständigenbeweis ist zur Rekonstruktion eines Skiunfalles nicht hilfreich, da die Fahrspur in der Regel nicht gesichert werden kann und deshalb auch kein Rückschluss auf Geschwindigkeit und Fahrtrichtung möglich ist. Die Rechtsprechung hat daher für bestimmte Fälle den sog. Anscheinsbeweis als Beweiserleichterung für den Geschädigten zugelassen, wobei der Unfallhergang an sich trotzdem bewiesen werden muss. Man ist also auf Zeugenaussagen angewiesen.

Für einen Zusammenstoß zwischen Ski-Fahrer und Snowboard-Fahrer ist die Entscheidung des LG Bonn vom 21.3.2005 (1 O 484/04) interessant, welche wir auszugsweise darstellen wollen:

(…) Zu Lasten des Snowboardfahrers kann bei im Übrigen gleichwertigen Umständen nicht unberücksichtigt bleiben, dass ein Snowboard im Vergleich zu regulären Skiern schwerer ist, dadurch wegen einer höheren Aufpralldynamik bei Kollisionen höhere Verletzungsrisiken birgt und zudem schwerer zu steuern ist, weil jeder zweite Schwung dem Snowboardfahrer einen toten Winkel beschert. Unabhängig davon, ob der Snowboardfahrer die Position „regular” (linker Fuß vorne) oder „goofy” (rechter Fuß vorne) bevorzugt, steht er mit einem Winkel von circa 45° zur Längsachse beim Vorderfuß und bis zu 55°-60° beim Hinterfuß auf dem Board. Durch diese Grundhaltung ergibt sich ein anderes Gesichtsfeld als beim Skifahren, und beim Fahren aneinander gereihter Schwünge weist immer einmal die Körpervorderseite (frontside turn) und dann der Rücken (backside turn) zum Kurvenmittelpunkt. Besonders bei den letztgenannten „backside turns” kommt es zu den oben genannten Wahrnehmungsdefiziten in Form eines toten Winkels. Dies führt dazu, dass der Snowboardfahrer im Vergleich zum Skifahrer ein erhöhtes Maß an Aufmerksamkeit und Reaktionsbereitschaft auf der Piste aufzubringen hat. (…)

Das Landgericht Bonn kommt zu dem Schluss, dass ein sog. Anscheinsbeweis dafür spricht, dass bei einer nicht näher aufklärbaren Kollision zwischen zwei Skifahrern jeder dem jeweils anderen nicht die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt hat und folglich jeder (zumindest) gegen FIS-Regel 1 verstoßen hat, was zu einer Haftungsverteilung von jeweils 50% führt. Das Landgericht schlussfolgert weiter, dass es bei einem Zusammenprall zwischen Ski-Fahrer und Snowboard-Fahrer eine Haftungsverteilung von 60:40 zu Lasten des Snowboard-Fahrer geben müsse.

Schlussendlich ist es gerade bei einem Skiunfall immer eine Frage des Einzelfalles, wie tatsächlich die Haftung begründet werden kann. Der Anscheinsbeweis ist aber ebenfalls ein erheblicher Maßstab, was von einzelnen Gerichten aber gerne übersehen wird.

© 2008 Solacium GmbH | Alle Rechte vorbehalten |  Datenschutzerklärung |  Impressum