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Rechtsanwalt Pfleger
SPR Rechtsanwälte

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Verkehrsrecht


Schmerzensgeld bei Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS)

Geschädigte leiden bei einem Verkehrsunfall in der Folgezeit oft nicht nur unter körperlichen, sondern auch unter psychischen Beeinträchtigungen. Diese psychischen Erkrankungen treten in unterschiedlicher Ausprägung auf. Die häufigste Erkrankung ist die sogenannte „Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)“, die sich unterschiedlich äußert. Betroffene leiden unter immer wiederkehrenden Erinnerungen an den Verkehrsunfall, unter Konzentrations-, Gedächtnis- und Schlafstörungen. Zudem sind sie oft übermäßig schreckhaft und stark angespannt und versuchen fortan den Straßenverkehr zu meiden. Diese Symptome können, je nachdem wie stark sie ausgeprägt sind, eine intensive Beeinträchtigung für das Leben der Geschädigten darstellen.

Grundsätzlich besteht bei einer Posttraumatische Belastungsstörung ein Anspruch auf Schmerzensgeld. Allerdings muss laut BGH „hinreichende Gewissheit“ bestehen, dass diese Erkrankung nicht eingetreten wäre, wenn der Verkehrsunfall nicht stattgefunden hätte.

Das zugesprochene Schmerzensgeld variiert je nach Dauer und Intensität der Posttraumatische Belastungsstörung. Bei einer PTBS, bei der die Geschädigte drei Tage arbeitsunfähig war und zusätzlich als Folge unter Nervosität, Schlafstörungen und Unruhe litt, wurde z.B. ein Betrag von 800 Euro zugesprochen. In einem anderen Fall, in dem der Geschädigte den Tod eines anderen Unfallteilnehmers verarbeiten musste und zusätzlich eine HWS-Distorsion erlitt, war ein Schmerzensgeld von 2900 Euro angemessen. 5000 Euro Schmerzensgeld wurden in einem Fall gezahlt, in dem die Geschädigte zahlreiche Prellungen erlitt und die Erwerbsfähigkeit in der Zeit nach dem Unfall durch die PTBS um 20% gemindert war.

Ein Schmerzensgeld wird aber nur zugesprochen, wenn der Unfall Auslöser und Ursache für die Posttraumatische Belastungsstörung war.  Daneben gibt es regelmäßig Fälle, bei der die psychische Erkrankung zwar durch den Unfall ausgelöst wird, allerdings auf den Charakter des Geschädigten zurückzuführen ist. Man spricht von Begehrens- oder Rentenneurosen. Im Vordergrund steht hier eine Begehrenshaltung des Geschädigten, der den Unfall als Anlass benutzt, um zu einem Schmerzensgeld zu gelangen. Betroffene streben oft nach Versorgung und Sicherheit und wollen beruflichen Belastungen ausweichen. In diesen Fällen wird kein Schmerzensgeld zugesprochen. Der Unfall ist hier zwar Auslöser der psychischen Probleme, aber nicht die Ursache, wodurch der Zurechnungszusammenhang fehlt.

Zusätzlich gibt es weitere Besonderheiten im Zusammenhang mit der Posttraumatische Belastungsstörung: Ist der Geschädigte besonders schadensanfällig, also besonders sensibel, was die Verarbeitung dieser Erlebnisse angeht und ist diese Verarbeitung deshalb besonders schwierig, so wird dies bei der Schmerzensgeldberechnung anspruchsmindernd berücksichtigt. Eine falsche Verarbeitung der Erlebnisse steht aber einem Schmerzensgeldanspruch nicht entgegen.

Auch bei Bagatellfällen ergibt sich kein Schmerzensgeldanspruch für psychische Beeinträchtigungen.

Im Zweifelsfall wird immer ein Sachverständiger hinzugezogen werden müssen. Die Feststellung, ob eine Posttraumatische Belastungsstörung, oder lediglich eine sog. Rentenneurose vorliegt oder ob es sich um einen Bagatellfall handelt, ist im Einzelfall schwierig zu beantworten und muss für jeden Einzelfall individuell festgestellt werden.

Die PTBS wird regelmäßig nicht als einzelne  Beeinträchtigung auftreten. Neben körperlichen Schäden ist sie somit anspruchserhöhend. Aber auch wenn keine körperlichen Schäden vorliegen, so besteht bei einer PTBS, wenn das Unfallereignis von einer gewissen Intensität ist, für den Geschädigten ein Schmerzensgeldanspruch.

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