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Rechtsanwältin Liske

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Zeitverzögerung bei Not-Kaiserschnitt - grober Behandlungsfehler

In Fällen, in denen ein ärztlicher Behandlungsfehlers während des Geburtsvorganges zu schwersten Behinderungen des neugeborenen Kindes führen, werden von den deutschen Gerichten die höchsten Schmerzensgelder zugesprochen. In einer aktuellen Entscheidung des Landgericht Gera vom 06. Mai 2009 (Az. 2 O 15/05) wurde das beklagte Krankenhaus zur Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von 600.000,00 € verurteilt. Die Entscheidung wurde in 2. Instanz durch das Oberlandesgericht Thüringen bestätigt (Beschluss vom 14. August 2009, Az. 4 U 459/09).

Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme stand zur Überzeugung des Gerichts fest, dass bei der Geburt des Klägers eindeutig gegen bewährte ärztliche Regeln verstoßen worden war, indem die höchstens tolerierbare sogenannte "Entscheidungs-Entbindungs-Zeit" von 20 Minuten (Zeitspanne vom Entschluss zum Notfallkaiserschnitt bis zur Geburt des Kindes) um 10 Minuten überschritten wurde und es hierdurch zu einer massiven Sauerstoffunterversorgung des Klägers mit der Folge schwerster geistiger und körperlicher Behinderungen gekommen war. Hierin liege ein Fehler, der aus objektiver Sicht nicht mehr verständlich erscheine, weil er einem Arzt bzw. einem medizinischen Fachkrankenhaus nicht unterlaufen dürfe. Der Kläger liegt infolge des Behandlungsfehlers im Wachkoma, ist im schwersten Umfang geistig und körperlich behindert, bettlägerig, blind, an ein Atemüberwachungsgerät angeschlossen und rund um die Uhr auf fremde Hilfe angewiesen.

Das Gericht machte in seinen Entscheidungsgründen deutlich, dass gravierendere geistige und körperliche Beeinträchtigungen kaum vorstellbar seien. Dem Kläger sei mit seiner Geburt jede Möglichkeit einer normalen körperlichen und geistigen Entwicklung genommen worden. Fälle wie diese, "in dem der Geschädigte niemals Kindheit, Jugend, Erwachsensein und Alter bewusst erleben und seine Persönlichkeit entwickeln kann und sein Leben weitestgehend auf die Aufrechterhaltung vitaler Funktionen, die Bekämpfung von Krankheiten und die Vermeidung von Schmerzen beschränkt ist, treffen die Wurzeln seiner Persönlichkeit und verlangen angesichts des hohen Werts, den das Grundgesetz in Artikel 1 und 2 der Würde des Menschen beimisst, eine herausragende Entschädigung". Erschwerend hat das Gericht das zögerliche Regulierungsverhalten des Haftpflichtversicherers des beklagten Krankenhauses berücksichtigt.

In traurigen Fällen, wie sie der Entscheidung des Landgericht Gera zugrunde liegen, können materielle Leistungen niemals den entstandenen Schaden ausgleichen. Schmerzensgelder können hier nur einen Beitrag dazu leisten, das Leben des geschädigten Kindes so angenehm wie möglich zu machen. Wegen der besonderen Schwierigkeiten, die mit der anwaltlichen Bearbeitung eines solchen Falles verbunden sind, sollten Sie sich an einen auf Arzthaftungsrecht spezialisierten Rechtsanwalt wenden.

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