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Zu Fall gebracht – 2.000 Euro Schmerzensgeld wegen eines Handgelenkbruchs

LG Trier, Teilurteil vom 11.06.2013 - 4 O 128/11


Am 11. 06. 2013 sprach das Landgericht Trier der damaligen Klägerin wegen einer Radiusfraktur am rechten Handgelenk ein Schmerzensgeld in Höhe von 2.000 Euro zu. Zudem wurde der Beklagte verpflichtet alle zukünftigen materiellen Schäden zu 50 % und alle zukünftigen, noch nicht vorhersehbaren immateriellen Schäden in vollem Umfang zu erstatten.

Die Klägerin befand sich als Kundin im Reinigungsgeschäft des Beklagten, um ein Kleidungsstück eines Bekannten abzuholen. Der Eingangs- bzw. Ausgangsbereich des Reinigungsgeschäfts weist eine Besonderheit dahingehend auf, dass das Fußbodenniveau im Vergleich zum Außenbereich ca. 20 cm höher liegt und dieser Höhenunterschied unmittelbar an der Tür des Geschäfts bewältigt werden muss. Das bedeutet, dass der Kunde beim Betreten des Reinigungsgeschäftes unmittelbar nach der Eingangstür eine Stufe hinaufsteigen muss, bzw. beim Verlassen direkt nach dieser Tür eine Stufe hinabsteigen muss.

Als die Klägerin das Reinigungsgeschäft des Beklagten verlassen wollte, dachte sie nicht an die Stufe und trat deshalb ins Leere. Sie stürzte und brach sich dabei das rechte Handgelenk. Die Klägerin musste in der Folgezeit einen Gips tragen und war aufgrund dessen 33 Tage in vollem Umfang und weitere 15 Tage zu 50 % arbeitsunfähig.

Das zuständige Gericht hielt ein Schmerzensgeld in Höhe von 2.000 Euro für angemessen. Die Ausgestaltung des Eingangs- bzw. Ausgangsbereich im Reinigungsgeschäft des Beklagten entspräche nicht den Sicherheitsanforderungen, die zum Schutze des Kunden eingehalten werden müssen. Der Stufenabsatz im Geschäft des Beklagten sei nicht vergleichbar mit dem Höhenunterschied des Fußbodenniveaus, wie er bei einer normalen Türschwelle oder -schiene erkennbar ist. Vor allem wenn man nach außen trete, um das Geschäft zu verlassen, sei die Stufe nicht rechtzeitig erkennbar. Die Klägerin ist zum Unfallzeitpunkt in keiner Weise auf die Gefährlichkeit des Stufenabsatzes hingewiesen worden. Der Beklagte hätte nötige Vorkehrungen treffen müssen, um Unfälle zu vermeiden. Beispielsweise hätte er auf Augenhöhe an der Tür ein Schild mit der Aufschrift „Vorsicht Stufe“ anbringen und zudem die Stufe durch eine farbliche Markierung hervorheben können.

Im Rahmen der Bemessung des Schmerzensgeldes berücksichtigte das Landgericht Trier, dass die Klägerin auch einige Zeit nach dem Unfall die Belastungsfähigkeit des rechten Handgelenks geringfügig eingeschränkt ist und im Ruhezustand gelegentlich Schmerzen auftreten. Gleichwohl erkannte das Gericht allerdings auch ein Mitverschulden der Klägerin zu 50 % an, da ihr das Reinigungsgeschäft des Beklagten bereits aufgrund eines vorherigen Besuches bekannt war und sie die gefährliche Stufe bereits beim Betreten des Geschäfts realisiert hatte.

 

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